Souveräne Leader sind keine Plagiate

Das Umfeld, in dem Sie und ich leben, hat einen großen Einfluss auf unser ganzes Leben: Wir als Menschen entwickeln uns innerhalb eines bestimmten Settings, das wir vorfinden, gesellschaftlich, wirtschaftlich, familiär. Ein solches Setting besteht aus gewissen Vorstellungen, Werten, Normen und Begebenheiten, die wir als Individuum als Teil unserer Geschichte erleben. Und innerhalb dieser Gegebenheiten versuchen wir, den Rollen gerecht zu werden, in die wir hineingewachsen sind, den Erwartungen gerecht zu werden: Wir entwickeln uns meist auf eine Weise, dass wir versuchen, kompatibel mit dem aktuellen System, mit der Kultur, den vorherrschenden Werten oder mit der Sprache zu sein. Der Mensch passt sich grundsätzlich an, mit seinen Meinungen, Wünschen, mit dem, was er kommuniziert – und stützt grundsätzlich, die Welt, die er vorfindet. Stützt die aktuellen Paradigmen, die uns sagen, so sieht es in der Welt aus. 

So sieht es, denke ich, normalerweise in unserer Welt aus: Diese Art und Weise uns zu entwickeln und vor allem auch mit uns selbst und anderen zu kommunizieren, sorgt für Sicherheit, ein gemeinsames Verständnis. Unser Selbstverständnis und wie andere uns verstehen liegen recht nah beieinander. Eine Folge der Anpassung an eine als stabil und sicher erfahrene Welt.

Aber was passiert mit uns, wenn das Setting, das wir erleben, alles andere als stabil und sicher ist? Wenn die Welt um uns herum sich so schnell und radikal verändert, dass wir uns nicht mehr anpassen können?

Wie können wir dann noch für Sicherheit und ein gemeinsames Verständnis sorgen? Wie können Sie als Mensch, der Verantwortung für sich selbst und andere Menschen übernimmt, als Leader, sicher agieren und Sicherheit vermitteln?

Es ist viel wert, wenn Sie sich in den kalten Wind stellen können 

Auf eine gewisse Weise sind wir Plagiate. Weil wir verstanden werden wollen. Weil uns Sicherheit wichtig ist. Wir wollen gemocht, wir wollen geliebt werden. Weil der Weg der Anpassung uns näher liegt, als unseren Weg in der Welt allein und auf uns selbst gestellt zu suchen.

Ich denke aber, dass – gerade wenn wir uns mit anderen Menschen verstehen und gemeinsam an einer sicheren Welt bauen wollen –, der Weg zunächst ins Innere führt: Zuerst muss ich für mich selbst glaubwürdig kommunizieren, ich muss mir über meine eigenen Werte klar werden, ich muss fähig sein, unabhängig von dem, was jetzt gerade im Aussen ist und was andere denken und sagen, meinen Weg zu gehen. Ich muss fähig sein, mich auch ein bisschen in den kalten Wind zu stellen.

Spannende Fragen für Sie sind in diesem Zusammenhang: „Wie würde ich mich präsentieren, wenn nichts passieren würde? Wenn ich nicht angegriffen werden könnte oder blossgestellt werden könnte oder verbal oder nonverbal abgestraft werde? Wie würde ich dann kommunizieren? Was würde ich sagen?“ 

Wenn Sie sich genau so präsentieren, als wenn Sie in einem sicheren Raum wären, wenn Sie Ihre Werte genauso vertreten, als wenn dies keine negativen Konsequenzen hätte, dann agieren Sie und kommunizieren Sie authentisch.

Diese Art einer sich seinen eigenen Werten bewussten Handlung und Kommunikation sorgt, gerade wenn Leader dies beherrschen, für eine Glaubwürdigkeit und Authentizität, die anderen Sicherheit geben kann. Ein Moment der Standhaftigkeit in einer Welt des Wandels.

Sicherheit durch Mut: Authentizität ist keine Privatsache.

Kommunizieren Sie, ohne dass Sie jemandem gefallen wollen, ohne sich mit irgendwelchen Floskeln anzupassen, mit klarem Blick auf die eigenen Werte, dann zeigen Sie Mut und das sorgt für Vertrauen und Sicherheit.

Authentisch agieren und kommunizieren bedeutet dann auch, dass Sie sich Ihrer eigenen Worte, Gefühle, Gedanken bewusst sind, ob Sie jetzt etwas „nach“plappern, „nach“fühlen, „nach“denken, was andere schon gesagt, gefühlt oder gedacht haben. Sind es wirklich Ihre eigenen Gedanken?

Authentizität ist keine Privatsache. Das erleben Leader im Business- und Politikkontext schnell. Wer in unsicheren Zeiten nur die üblichen Phrasen wiederholt oder an veralteten Kommunikationsmustern festhält, verliert schnell an Glaubwürdigkeit. Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner, auch Wähler haben ein feines Gespür dafür entwickelt, ob eine Botschaft wirklich aus innerer Überzeugung kommt oder nur opportunistisch an fremden Werten orientiert ist.

Echte, authentische Kommunikation dagegen schafft Vertrauen und damit Sicherheit. Sie zeigt, dass eine Führungskraft hinter ihren Worten steht, dass sie Werte hat und dass sie in der Lage ist, auch unangenehme Wahrheiten zu vermitteln. 

Ich denke, in Krisenzeiten suchen Menschen nach Leadern, die Klartext reden, Verantwortung übernehmen und mit ihren Werten Orientierung bieten. 

Menschen mit Ecken und Kanten und Werten, denen sie sich bewusst sind und die sie, versuchen ehrlich zu vertreten – so fehlbar wir als Menschen auch sind, verführbar, wie leicht wir uns irren, uns verirren … 

Solche Menschen sind keine Plagiate, weil sie den Mut haben, ihre Entwicklung in die eigene Hand zu nehmen. Weil sie die Anpassung an ein altes System hinter sich lassen und versuchen, die eigenen Werte und die neue Welt in Einklang zu bringen, versuchen, die neue Welt mutig nach eigenen Werten zu gestalten.

Leader sollten diesen Mut haben. 

Ihr Markus Hotz 

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Stabilität als Illusion – Souverän im Wandel bleiben

Egal, ob aus dem Engadin, von Hawaii oder von einem anderen schönen Plätzchen dieser Welt: Markus Hotz schickt Ihnen Geschichten aus seinem Leben als Transformator, schenkt Ihnen Denkanstösse und versetzt Ihnen den manchmal nötigen Push in einer Zeit der Veränderung – ohne Jammern, dafür mit ansteckendem Tatendrang. Und weil sein Sport bei ihm eine hohe Priorität hat, auch sicherlich nicht zu oft.

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